Info

Kurzinformation zur Zusammenarbeit von Schulen und Jugendoffizieren

Am 04.12.09 unterzeichneten das Kultusministerium Baden-Württemberg und die Bundeswehr eine Kooperationsvereinbarung um die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Jugendoffizieren zu intensivieren. Dabei sollen besonders im Rahmen der politischen Bildung Themen wie innere und äußere Sicherheit und „nationale Interessen“ stärker in den Fokus gerückt werden. Laut dem Bundeswehr-Weißbuch 2006 wird unter „nationalen Interessen“ auch die Sicherung von Rohstoffen für die deutsche Wirtschaft mit militärischen Mitteln verstanden.

Jugendoffiziere werden in Zukunft auch ihrerseits verstärkt Schulbesuche anbieten und zusätzlich in die Ausbildung von Lehrkräften mit einbezogen werden. Baden – Württemberg ist nun schon das vierte Bundesland in dem eine solche Kooperation offiziell unterzeichnet wurde. Eine Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen und Militär gibt es jedoch in allen Bundesländern. Und diese zivilmilitärische Zusammenarbeit zeigt sich auch in anderen gesellschaftlichen Bereichen, wie beispielsweise bei Universitäten die Rüstungsforschung betreiben oder Werbung der Bundeswehr in Arbeitsämtern.

Die Institution „Jugendoffizier“ wurde 1958 gegründet. Sie hatte in ihren Anfängen die Aufgabe die Bevölkerung, welche dem NATO Beitritt und der Wiederbewaffnung Deutschlands überwiegend kritisch gegenüberstand, von diesen Maßnahmen zu überzeugen. Heute sollen Auslandseinsätze (vor allem den Afghanistaneinsatz, die Mission Atlanta,…) in der Öffentlichkeit legitimieren. Jugendoffiziere sind nach Kultusminster Rau „Profis der politischen Bildung und nicht Werbung für die Bundeswehr“. Ihnen ist das direkte Rekrutieren (dafür sind die Wehrdienstberater zuständig) offiziell verboten. In der Praxis ist diese Trennung jedoch nicht ernst zu nehmen. Es wird eng zusammengearbeitet, Anfragen werden weiter gegeben, Schulen gemeinsam angeschrieben oder es wird gleich gemeinsam aufgetreten. Und auch bei kontroversen Darstellungen wird stets die ideologische Weltsicht der Bundeswehr vermittelt. Im Jahr 2009 haben die elf im Südwesten eingesetzten Jugendoffiziere über 800 Veranstaltungen mit 17.000 TeilnehmerInnen abgehalten. Die Anzahl der Besuche steigt seit 2003 kontinuierlich an.

Die Kooperation von Kultusministerien und dem Militär steht im absoluten Widerspruch zum humanistischen Bildungsideal welches sich im Kern an den Menschenrechten orientiert und zu Frieden und kritischem Denken und Handeln befähigen soll. Die Bundeswehr ist eine streng hierarchische Einrichtung in welcher undemokratische Zwangsmittel herrschen. Eine militärische Institution darf in einer Demokratie nicht mit einer Bildungsinstitution kooperieren, und nicht als eine solche aufgewertet werden. Das zunehmende „Sicherheits“-Denken in Innen- sowie Außenpolitik führt zu zunehmender Militarisierung der Gesellschaft und somit zu zunehmendem Demokratieabbau. Themen wie innere und äußere Sicherheit und Einsätze der Bundeswehr sind gerade in anbetracht der jüngsten politischen Ereignisse ein wichtiges Thema, das natürlich auch im Schulunterricht behandelt werden muss. Allerdings sollte dies von unabhängiger Seite aus geschehen. Und wenn Experten zu einem Thema referieren sollen, ist es angesichts der im Beutelsbacher Konsens festgelegten Grundsätze des Kontroversitätsgebotes und Überwältigungsverbotes unumgänglich auch eine direkte Gegendarstellung anzubieten. Dazu können beispielsweise Friedensaktivisten in den Unterricht eingeladen werden, was bisher jedoch meistens nicht der Fall ist.

In einer Schule darf kein Raum für Lobbyismus der Bundeswehr sein. Militärische Mittel dürfen nicht als Möglichkeit der (Inter-)Nationalen Konfliktbewältigung gelehrt werden, sondern wir möchten uns für eine demokratisch organisierte Bildung – für den Frieden – einsetzen.Die Entscheidung Veranstaltungen an Schulen stattfinden zu lassen liegt im Endeffekt bei den SchulleiterInnen und LehrerInnen. Diese sind aufgefordert die Kooperation zu verweigern und nicht auf die Angebote von Jugendoffizieren und Wehrdienstberatern einzugehen.

Eltern, LehrerInnen, SchülerInnen wehrt Euch gegen die schleichende Militarisierung aller Lebensbereiche!!!

Werbeanzeigen

Bloggen auf WordPress.com.
Entries und Kommentare feeds.

%d Bloggern gefällt das: